Jobsuche – die Zweite

Fr. 23.04. - Fr. 07.05. Motueka
Sa. 24.04. Marahau, Abel Tasman National Park

Am Freitag den 23.April sind wir aus Nelson raus gefahren.
Ab jetzt sollte sich alles um die zweite Jobsuche drehen – egal was, egal wo, hauptsache Geld verdienen!
In Richmond, einem Stadtteil von Nelson, haben wir dem “Advanced Personell” Buero einen Besuch abgestattet und uns dort in eine Liste eingetragen lassen, die Arbeitsuchende verzeichnetet. Sobald jemand etwas fuer uns haette, wuerden wir entweder telefonisch oder per email kontaktiert werden.
Gegen Nachmittag sind wir in unserer Zielstadt angekommen.
Motueka rief in uns zuerst Erinnerungen an Te Puke hervor, schien es unsererm persoenlichen Hoellendorf Neuseelands in Groesse und Vielfalt sehr zu aehneln.
Im Prinzip war Motueka aber um Einiges attraktiver als Te Puke.
Hier gab es eine Bibliothek mit 30 Minuten freiem Internet, Duschmoeglichkeiten fuer $ 2, zahlreiche Takeaway und Souvenirshops, sowie Mc Donalds und KFC.
Unser erster Weg fuehrte, wie immer, in die Info. Hier haben wir uns mit einem Stadtplan Motuekas, Infomaterial ueber den nahegelegenen Abel Tasman National Park und Anlaufstellen fuer die Jobsuche ausgestattet.
Anschliessend sind wir dann auch schon in ein Job-Office.
Da die Stelle jedoch nicht besetzt war, konnten wir uns wieder nur in eine List eintragen und uns vornehmen, die naechsten Tage noch einmal vorbei zu gucken.
Samstagmorgen ging die Jobsuche weiter – wir wollten die Orchards persoenlich anfahren.
Wir nahmen an, dass die Chancen durch direkten Kontakt zum Arbeitgeber an Arbeit zu kommen, groesser seien, als sich nur in Listen einzutragen. Das hatten wir ja auch schon in Te Puke gemerkt.
Und so war es auch in Motueka!
Schon unser erster Versuch war erfolgreich.
Ab Montag hatten wir fuer ca. 10 Tage einen Job als Apple Picker. =)
Unser zukuenftiger Chef stattete uns sofort mit Vertraegen aus und erwartete uns Montagmorgen um 7:30 Uhr in seinem Orchard! Perfekt!
Nachdem wir alles Wichtige mit unserem Chef geklaert hatten, entschieden wir uns den Rest des Wochenendes im Abel Tasman National Park zu verbringen.
Die Wetteraussichten fuer das Wochenende waren zwar nicht super toll, aber da die Wahrscheinlichkeit waehrend unserer Arbeitswoche einen Abstecher in den National Park zu machen, eher gering war, wollten wir die Gelegenheit nutzen.

So fuhren wir also gegen Mittag nach Marahau, dem Tor zu Neuseelands kleinstem National Park.
Dort angekommen, zogen wir unsere Wanderschuhe an, packten Trinkflasche und Aepfel, sowie Kameras ein und stiefelten, mit strahlender Sonne im Nacken, los.
3 ½ Stunden waren wir unterwegs, machten nach der Haelfte eine kleine Snack-Pause in der “Apple Tree Bay” und liefen die 6 1/2km wieder zurueck, als es nach Regen aussah.

Der Park ist wirklich schoen – vor allem die vielen kleinen Buchten und der goldene Sandstrand.
Eine Kajaktour bei schoenerem Wetter waere fuer den National Park aber wahrscheinlich geeigneter, zumal uns erzaehlt wurde, dass man nur so die richtig schoenen und eindrucksvollsten Stellen des Abel Tasmans bewundern koenne.
Obwohl wir nur gewandert sind, nicht ganz so tolles Wetter hatten und es dann auch anfing zu regnen, als wir wieder beim Van waren, haben wir den Trip genossen und schoene Fotos gemacht.


 

Die Apfelpflueckerei


 Vorweg ein paar Worte zum Thema Bezahlung.

Als Apfelpluecker wird man entweder nach gefuellten Bins (Holzkisten, je $ 26), oder nach Stunden (je $ 12,75) bezahlt.
Vorgesehen ist ein Arbeitstag von 8 Stunden.
Ein durchschnittlicher Pfluecker schafft in 8 Stunden 4 Bins
(Bezahlung nach Bins = $ 104 // Bezahlung nach Stunde = $ 102 --> sobald man 4 Bins schafft, wird man nach Bin bezahlt).

Nun kann man sich ueberlegen, ob man versucht in moeglichst wenig Zeit, moeglichst viele Bins zu fuellen, um moeglichst viel Kohle zu machen (bietet sich an, wenn man wirklich schnell ist und ohne Muehe 4 bins schafft), oder ob man sich Zeit laesst und nach Stunde bezahlt wird.
Hierbei ist allerdings zu sagen, dass jeder Pfluecker mindestens 4 Bins am Tag schaffen sollte – es ist nicht schlimm, wenn man die ersten Tage weniger als 4 fuellt, sollte das allerdings wiederholt vorkommen, laeuft man Gefahr wegen Faulheit gekuendigt zu werden.

Im Grunde ist das ganz einleuchtend und einfach – hoffe man versteht meinen Erklaerungsversuch – und wenn nicht, dann tut's mir Leid :P


 

1.Tag – Montag
Um 6:30 Uhr klingelte der Wecker, Kristin und ich schaelten uns hellwach aus unseren Schlafsaecken und fruehstueckten unseren leckeren Porrige.
Um 7:20 Uhr standen wir im Buero des Chefs, gaben unsere unterschriebenen Vertraege ab (die wir diesmal nicht so genau studiert hatten, wie die von Seeka) und krallten uns dann jeder eine Apple-Tragetasche und eine Leiter.
Von 8 Uhr bis 12 Uhr wurde dann auch hart gearbeitet.
In einem 2er Team, pflueckten Kristin und ich die Apfelbaeume leer und fuellten bis 12:30 Uhr zusammen 4 ½ Bins.
Dann gab es erstmal Lunch und 30 Minuten Rueckenentlastun.
Den ersten Tag mussten wir dann leider auch schon um 14 Uhr beenden, da es nach unserer Pause ziemlich doll anfing zu regnen – undbei so einem Wetter mussten wir gleucklicherweise nicht arbeiten.
So schafften wir in 5 ½ Stunden jeder 2 ½ Bins und wurden auch nach diesen bezahlt (da kein voller 8 Stunden Tag) – fuer den ersten Tag also pro Nase $ 65 brutto! Wir waren zufrieden!


 

2.Tag – Dienstag
Regen! Den lieben langen Tag lang regnete es.
Ich bin vorsichtshalber um 7 Uhr zum Chef gerannt und hab gefragt, ob wir arbeiten muessen/koennen. Er verneinte, meinte aber, dass wir wieder kommen koennten, sollte das Wetter besser werden.
Naja, das Wetter aenderte sich jedenfalls nicht, sodass wir einen Tag frei hatten und statt zu arbeiten in der Buecherei sassen, Handyakkus aufgeladen haben und bei Maccan gechillt haben. Dort hab ich dann auch meiner lieben Mama einen Brief zum Muttertag geschrieben =)


 

3.Tag – Mittwoch
Die Baeume waren vom Regen am Vortag und in der Nacht plitsche nass – demnach trieften nach kurzer Zeit auch unsere Jacken und Pullover. Das Wetter war aber wieder super – strahlend blauer Himmel und warme Sonnenstrahlen machten das Arbeiten somit doch ganz angenehm.
Bis 12 Uhr fuellten Kristin und ich wieder 4 Bins. Dann gabs erst mal Lunch – Knaeckebrot oder Reiswaffeln mit Nutella oder Erdnussbutter und Kaese.
Um 12:30 Uhr gings wieder an die Arbeit. Diesmal allerdings mit einer kleinen Aenderung: Die Breaburn – Aepfel, die wir die ersten zwei Tage gepfueckt hatten, mussten erst wieder an Farbe gewinnen, weswegen wir absofort Fuji – Aepfel pluecken sollten.
Die Herausforderung bei dieser Art von Apfel ist, zwischen all den pink-gelben Aepfeln die richtig knallroten Aepfel zu finden...
Unser alter (~ Anfang/ Mitte 60) Freund Malcom, dessen Aufgabe es war den Pflueckern ihre “Fehler” zu erklaeren, half uns die “richtige” Farbe der Aepfel zu erkennen, darauf zu achten,
dass keine Druckstellen auf den Fruechten entstehen und betonte, dass wir “nice and gentle”
mit den Aepfeln umgehen sollen – dat kannten wir ja nun schon irgendwo her!
Aber trotzt Malcoms Hilfe schafften wir bis 16:30 Uhr (Ende der 8 Std. Arbeitszeit) lediglich 2 Fuji-Bins. Dass der Pick von Fuji-Aepfeln nicht so beliebt war, wie der von Breaburn Aepfeln, verstanden wir nun und hofften in den folgenden Tagen wieder Breaburn picken zu koennen.
Die Billianz des Tages war also 3 Bins pro Person – heisst, wir werden nach Stunden bezahlt, heisst wir haben am 3.Tag jeder 8 x $12,75 = $102 brutto verdient!


 

4.Tag – Donnerstag
Unser Wunsch wieder Breaburn zu pfluecken, konnte leider nicht erfuellt werden.
Der bloede Fuji Apfel brachte uns in 8 Stunden also wieder recht wenig Bins – 5 Stueck konnten wir fuellen. Konnte uns ja im Prinzip egal sein, solange wir 8 Stunden arbeiteten und nach denen bezahlt wurden, aber die staendige Suche nach der richtigen Farbe, war doch etwas anstrengend und muehsam.
Unser Traktorfahrer, der die gefuellten Bins abtransportierte und die leeren bzw. noch nicht vollen Bins in unserer Pflueckreiehe weiter schob, machte die Arbeitszeit aber ein wenig amuesanter – so nannte er uns bspw. “die arbeitswuetenden Maschinen” - wobei Kristin Machine No.1 war und ich Machine No.2 (Wir arbeiteten sowieso auf Stundenlohn...wieso also beeilen?!


 

5. Tag – Freitag
Lediglich von 8 Uhr bis 11 Uhr konnten wir am fuenften Tag arbeiten – dann siegten die dunklen Regenwolken und liessen ihren Balast auf die Erde nieder.
Gluecklicherweise hatten die Braeburn Aepfel in den letzten Tagen wieder an Farbe gewonnen, so dass wir die “guten” Aepfel pluecken konnten und uns beeilten, um moeglichst viele Bins zu schaffen.
Mit 3 vollen Bins in 3 Stunden waren wir gut dabei – verdienten also jeder 3 x $26 = $78 brutto.
Nach der Arbeit sind wir in die Stadt zum “Recreation Centre” gefahren und genossen mal wieder eine schoene, warme Dusche fuer nur $2!
Den Rest der Tages wurde gelesen, gekniffelt und gegammelt.


 

6. und 7.Tag – Samstag und Sonntag
Das sonnige Wochenende wurde genutzt, um ordentlich Bins zu fuellen. So schafften Kristin und ich in unserer Apfelpluecker-Karriere zum ersten und letzten Mal 8 Bins in 8 Stunden.
Wie ein anderes Zweierteam in der gleichen Zeit 12 Bins und ein Typ alleine 11 Bins fuellen konnte, war uns ein Raetsel...


 

8.Tag – Montag
...welches am Montag geloest werden sollte.
Das Zweierteam wurde naemlich wegen zu vieler Druckstellen an den Aepfeln gefeuert – die haben die Aepfel offensichtlich nicht “nice and gentle” behandelt, sondern waren darauf aus ordentlich Kohle zu machen. Tja, das haben sie auch geschafft – nur eben mit der Folge den Job los zu sein.
Aber auch Kristin und ich waren nicht ganz so nett zu unseren Aepfeln, wie sich in der Mittagspause herausstellte. Der Chef und ein Kontrolleur standen an unseren gefuellten Bins und prueften die Aepfel auf Druckstellen und andere “Fehler” - und fanden anscheinend eine Menge. Wir bekamen dann naemlich eine schriftliche, offizielle Warnung – sollte sich unser “Bruising” (Druckstellen) nicht verbesern, so wuerden auch wir unsere letzten Tage als Apfelpfluecker zaehlen koennen.
Wir beschlossen dann unseren hart erarbeiteten Titel der “Maschinen” abzulegen und ganz muckelig unsere Bins zu fuellen, einmal oefter eine Apfel-Snack-Pause zu machen und uns zwischendurch laenger mit Malcom (Farbenfreund) oder Neighell (Traktorfahrer) zu unterhalten.
Nichtsdestotrotz regten wir uns am Montag viel ueber unseren Chef und die Druckstellen an den Aepfeln auf und beendeten den Tag mit dem Wort “Arschgeige”.


 9. 10. und 11. Tag – Dienstag, Mittwoch und Donnerstag
Am Dienstagabend sind wir zu unserem Chef und kuendigten an, dass wir Mittwoch zum letzten Mal hier arbeiten wollten. “Geht nicht!” war seine Antwort! ...wir hatten vergessen/uebersehen, dass es eine Kuendigungsfrist von zwei Tagen gab, wir also auch noch Donnerstag arbeiten muessten. Das passte uns eigentlich ueberhaupt nicht in den Kram...wir regten uns mal wieder maechtig ueber unseren Chef auf (ich weiss, unberechtigt, aber es ist eben oft einfacher, sich ueber andere aufzuregen, als ueber sich selbst), ueberlegten schon es darauf ankommen zu lassen gefeuert zu werden, sammelten uns aber wieder und versuchten ihn zu ueberreden und baten unseren Chef darum wenigstens Donnerstagmittag den Ort verlassen zu koennen.
"Nein, Gesetz ist Gesetz und jeder muss sich dran halten - ich, ihr, jeder hier!" Bloedmann!
Aber gut, dann eben nicht. Ist ja auch unsere Schuld, wenn wir uns nicht drum kuemmern, den Vertrag genau auseinander zu nehmen und uns die wichtigen Dinge zu notieren...mhm!

Mittwoch und Donnerstag verliefen fuer uns also ganz entspannt. Wir haben uns mit Malcom ueber deutsche, britische und neuseelaendische Gesichte unterhalten, haben Spaesse mit dem Traktorfahrer gemacht und uns am Donnerstagabend gefreut die Obstgaerten ein fuer alle mal hinter uns zu lassen.
Meine dreckige, kaputte, stinkende, geliebte Levi's musste ich, genauso wie meine Chucks leider in die Muelle werfen, war dann aber auch erleichtert, den Gestank los zu sein und freute mich nach der Dusche in meinen kuscheligen, sauberen Jogginganzug steigen zu koennen.


 Auf in den Westen! 

Freitag, am 07. Mai war Aufbruchstag!
Morgens zum Fruehstueck gabs aber erst mal eine halbe Packung Toast fuer jeden. Einerseits als Belohnung, andererseits weil ja 07. war! War sehr lecker und ich danach auch pappsatt!
Danach sind wir noch durch Motueka gebummelt, hatten ja vorher keine Gelegenheit dazu, und ich hab meiner lieben, kleinen-grossen Schwester ein Souvenir gekauft!
Um 12 Uhr gings dann noch kurz ins Internet und um 13 Uhr starteten wir den Motor.
Naechstes Ziel: Split Apple Rock im Abel Tasman (den hatten wir bei unserem ersten Besuch vergessen).
Da es aber relativ bewoelkt war und wir endlich an die Westkueste und weg von Aepfeln wollten, war unser Aufenthalt beim Split Apple Rock recht kurz - Fotos wurden geschossen, auf Felsen wurde rumgekrakselt und dann gings schon wieder weiter.

Gegen spaeten Nachmittag kamen wir in Murchison an - ein Stop war unbedingt noetig, da wir kaum noch Spritt hatten.
Wir tankten also, guckten uns das kleine, verregnete Kaff an und goennten uns einen kleinen Festschmaus im Cafe.
Steak-sandwich und Beef-Pie sind schon was feines.
Die Nacht blieben wir in Murchison und fuhren am Samstagmorgen dann zwei Stunden nach Westport - der noerdlichsten und groessten Stadt an der Westkueste!!! Jippi!

Sonstiges
  • Am 24.04. hab ich mit Oma und Opa telefoniert und sie darueber informiert, dass ich von Omas leckeren Dampfnudeln und Opas besten Bratkartoffeln traeume.
  • Am 25.04. war ANZAC Day – Tag an dem an neuseelaendische und australische Kriegsunterstuetzung erinnert wird
  • Nach Feierabend, als wir es uns in unseren bequemen Jogginghosen gemuetlich machten, trauten wir uns kaum unsere Socken auszuziehen, so uebertriebene Kaesefuesse hatten wir – ekelig – die stinkenden Socken wurden dann auch gleich in Plastiktueten verbarrikadiert, damit wir noch Luft zum Atmen hatten =)
  • Die groesste Herausforderung des Tages war es morgens in unsere nassen, kalten, stinkigen und dreckigen Klamotten zu steigen.
  • Das Buch “Rabenmord” von Sheldon Rusch ist verdammt gruselig und empfehlenswert
  • Nach zwei Tagen auf der Leiter stehend und aepfelpflueckend, hatte ich schon einen Sonnenbrand im Gesicht
  • In 8 Stunden faellt einem ne Menge Quatsch ein. Kristin und ich haben bspw. Teekaesselchen gespielt, haben unsere “Wir sind zurueck” - Party geplant und viele lustige Spiele erfunden

 

13.5.10 02:07

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bisher 2 Kommentar(e)     TrackBack-URL


katha (15.5.10 19:24)
"In 8 Stunden faellt einem ne Menge Quatsch ein. Kristin und ich haben bspw. Teekaesselchen gespielt, haben unsere “Wir sind zurueck” - Party geplant und viele lustige Spiele erfunden "


ihr seid so süüß!


katha (15.5.10 19:25)
yyesss!
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